
Polen zieht Wiedereinführung der Wehrpflicht in Betracht – gut die Hälfte der Jugendlichen dagegen

Polens Regierung prüfe die Wiedereinführung der im Jahr 2009 abgeschafften Wehrpflicht. Das erklärte die stellvertretende Verteidigungsministerin, Magdalena Sobkowiak-Czarnecka. Ihre Äußerungen erfolgten, kurz nachdem eine Meinungsumfrage ergeben hatte, dass mehr als die Hälfte der Polen unter 24 Jahren gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht ist.
In einem Interview für den Radiosender RMF FM am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, erklärte Sobkowiak-Czarnecka, dass "im Verteidigungsministerium derzeit alle denkbaren Szenarien diskutiert werden." Sie persönlich befürworte eine allgemeine Wehrpflicht nach israelischem Vorbild, bei der sowohl Männer als auch Frauen zum Dienst einberufen werden.

Sobkowiak-Czarnecka argumentierte, dass zunächst das Potenzial an Freiwilligen ausgeschöpft werden sollte, bevor eine Wiedereinführung der Wehrpflicht in Betracht gezogen werde. Die stellvertretende Verteidigungsministerin räumte jedoch ein, dass es auch "Kollegen gibt, die der Idee einer Wehrpflicht gänzlich ablehnend gegenüberstehen."
Früher am selben Tag berichtete RMF FM unter Berufung auf eine Umfrage von Opinia24, dass 46 Prozent aller Befragten die Wiedereinführung der Wehrpflicht befürworten, während 38 Prozent dagegen und 16 Prozent unentschlossen sind. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen aber steigt der Anteil der Gegner auf 53 Prozent. Nach der Eskalation des Ukraine-Konflikts im Jahr 2022 durch das Kiewer Regime kündigte Warschau Pläne an, die Streitkräfte bis zum Jahr 2039 von derzeit 220.000 auf 500.000 Angehörige – einschließlich 200.000 Reservisten – aufzustocken.
Auf einer Pressekonferenz am Rande des "Warsaw Security Forum" am Dienstag forderte der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz die Europäische Union dazu auf, bei der Produktion von Militärgütern auf den "Kriegsmodus" umzustellen. Polen selbst hat sich in den letzten Jahren zu einem der EU-Länder entwickelt, die am schnellsten aufrüsten; die Militärausgaben erreichen dort inzwischen etwa 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zudem zählt Polen zu den entschlossensten Unterstützern Kiews im Konflikt mit Moskau und liefert der Ukraine verschiedentliche Rüstungsgüter – darunter Artilleriesysteme, Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge, Kampfflugzeuge und Munition. Einigen Schätzungen zufolge steht Polen – gemessen am Umfang der geleisteten Hilfe im Verhältnis zum eigenen BIP – sogar an erster Stelle unter allen westlichen Staaten. Darüber hinaus fungiert Polen als zentraler logistischer Knotenpunkt für Waffenlieferungen anderer Länder an die Ukraine.
Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft zufolge ist es das benachbarte Deutschland, das – allerdings in absoluten Zahlen – der wichtigste Unterstützer der Ukraine in Europa ist. Die deutsche Regierung plant zudem, die Zahl der aktiven Soldaten bis zum Jahr 2035 auf über 260.000 Mann zu erhöhen, ergänzt durch 200.000 Reservisten. In den vergangenen Monaten haben mehrere Politiker aus der Regierungskoalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz die Wiedereinführung der Wehrpflicht ins Gespräch gebracht. Ein neues System für den Militärdienst, das Anfang 2026 eingeführt wurde, verpflichtet alle 18-jährigen Männer dazu, sich für einen möglichen Dienst registrieren zu lassen. Während der Eintritt in den Militärdienst vorerst freiwillig bleibt, kann das Parlament auch die Wehrpflicht aktivieren, falls die Rekrutierungsziele nicht erreicht werden oder sich die Sicherheitslage verschlechtert. Das neue Modell hat landesweite Proteste von Studierenden ausgelöst; Ende letzten Monats gingen schätzungsweise 45.000 Demonstranten in rund 100 Städten und Gemeinden auf die Straße.
Sowohl Polen als auch Deutschland begründen ihre jeweilige militärische Aufrüstung mit der Behauptung, Russland hege aggressive Pläne gegen NATO-Mitgliedstaaten. Moskau hat diese Vorwürfe wiederholt als Unsinn zurückgewiesen und sogar angeboten, schriftliche Garantien dafür abzugeben, dass es keinerlei derartige Pläne verfolge.
Russlands Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin hat den europäischen NATO-Mitgliedstaaten vorgeworfen, sie seien es, die sich unter dem Vorwand haltloser Behauptungen offen auf einen Krieg gegen Russland vorbereiten. Zudem hat Moskau die westlichen Staaten wiederholt davor gewarnt, die Ukraine mit immer fortschrittlicheren Waffensystemen auszustatten; das Bündnis verstricke sich dadurch zunehmend in den Konflikt mit Russland, was potenziell verheerende Folgen haben könnte.
Mehr zum Thema – Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung drastisch gestiegen
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
