
ZDF-Selenskij-Interview: "Wie verläuft der Werdegang vom Comedian zum Präsidenten?"
Das ZDF Magazin Royale mit dem kontrovers wahrgenommenen Komiker Jan Böhmermann als Kopf und Moderator der Sendung wird regulär im Studio Ehrenfeld in Köln-Bickendorf aufgezeichnet. Der Anführer des Kiewer Regimes, Wladimir Selenskij, reiste zu Wochenbeginn nach Berlin zu Gesprächen mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Mit einer Sondergenehmigung durfte Böhmermann mit seinem Team den "ehemaligen Fernsehcomedian", so der YouTube-Bewerbungstext, im Hotel zu einem Interviewtermin aufsuchen.
In einem "exklusiven Interview für das ZDF", so die Pressemitteilung, erhielt der zuletzt medienpolitisch scharf kritisierte Jan Böhmermann die Gelegenheit, mit Selenskij "über dessen ungewöhnlichen Weg vom Comedian zum Präsidenten eines Landes im Krieg" zu sprechen.


Warum dabei Selenskij nicht von Moderatoren politischer Talk-Formate des Senders in seinem Hotel aufgesucht wurde, lässt sich nur mit der Anmoderation des Gesprächs, der demnach von der ZDF-Leitungsebene abgesegneten Konzeptidee der Böhmermann-Redaktion, erklären. So heißt es auf YouTube:
"Der amtierende ukrainische Präsident (und ehemalige Fernsehcomedian) bespricht mit dem amtierenden Fernsehcomedian (und ehemaligen Präsidenten von 'ZDFneo') die wichtigen Fragen: Wie verläuft der Werdegang vom Comedian zum Präsidenten? Was bedeuten die Midterm-Ergebnisse für die Ukraine?"
Die Spiegel-Redaktion (Bezahlschranke) kommentiert begeistert titelnd zu dem Interview, dass "zwei Sendungsbewusste gegen einen 'Oligarchen'" diskutiert hätten, gemeint war damit der verbale Angriff seitens Böhmermanns gegen Elon Musk. Zum Thema der Musk-Kommentierung zu den US-Zwischenwahlen erklärte Böhmermann in seiner Suggestivfrage einleitend, dass sich der "südafrikanische Oligarch" auf seinem "rechtsextremen sozialen Netzwerk X" geäußert hätte. Zum diesbezüglichen Gesprächsverlauf lautete die Spiegel-Wahrnehmung zum "spitzzüngigen" Agieren des ZDF-Mitarbeiters:
"Allerdings ließ sich sein Interviewpartner durchaus mitreißen, Musk schien fast sogar präsenter als Putin. Man wisse nicht, wann Musk scherze oder es ernst meine, sagte Selenskij zum Spruch auf X. Höflich bekundete er zwar auch seine Dankbarkeit für den Zugang zum Satellitensystem von Musks Weltraumunternehmen SpaceX, ließ aber ansonsten kein gutes Haar an dem mächtigen Milliardär."
Weiter auf Elon Musk angesprochen, antwortete Selenskij:
"Wir sind SpaceX dankbar dafür, dass sie uns die Verbindung zur Verfügung stellen. Das war zu Beginn des Krieges sehr hilfreich. Aber wir müssen da ganz klar sein: Natürlich gefällt uns seine Haltung zu diesem Krieg nicht."
Der Tagesspiegel fragt zum ZDF-Format (Bezahlschranke), "wie viel Witz ein Gespräch über Krieg verträgt". Jan Böhmermann habe es vermeintlich "auf den Versuch angelegt", wobei final der "ukrainische Präsident gewohnt tapfer blieb", so das Resümee. Einleitend im Interview erklärte Böhmermann dabei wörtlich:
"Ich bin ein Clown. Ich habe im Fernsehen so lange versucht, Leute zum Lachen zu bringen und Blödsinn zu machen. Wir haben beide dasselbe gemacht. Sie sind auch mal Entertainer gewesen und jetzt sitzen wir hier und müssen über Krieg sprechen. Was zur Hölle ist passiert?"
Selenskij erläutert seine diesbezügliche Wahrnehmung, der Übersetzung einer Simultandolmetscherin zufolge:
"Der Krieg hat angefangen. Wir sprechen jetzt von ernsten Sachen. Die Besetzung der Ukraine hat 2014 angefangen. Das war eine langsame Besetzung. In den meisten Ländern im Westen ist das Leben demokratisch. Man hat die Wahl, das Format des eigenen Lebens zu wählen. Man kann Geld verdienen.
Die Menschen sind frei und wählen ihren eigenen Lebensweg und diese Lebensordnung ist sehr schön. Deswegen wollte die Ukraine auch immer in die Europäische Union. Deswegen möchte die Ukraine auch diese Wahl haben."
Die Menschen "im Westen, in Deutschland", hätten nach dem Februar 2022 angenommen, dass die Ukraine immer schon Hilfe bekommen habe. Selenskij führt zu diesem Punkt weiter aus:
"Nein, das ist nicht so. Nach der Vollinvasion hat man angefangen, uns zu unterstützen. Aber das war acht Jahre, nachdem Russland angefangen hat mit der Besatzung. Acht Jahre sind vergangen. Das ist eine große, eine lange Zeit, um zu verstehen, dass Putin nicht vorhat, uns etwas zurückzugeben, dass es nicht bloß eine Eskalation ist, sondern dass es einfach seine Sicht ist."
Auf die Böhmermann-Frage, was der jüngste Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen für die Ukraine bedeute, gab Selenskij zu Protokoll:
"Ich bin den Republikanern auch dankbar, aber die Demokraten sprechen sehr klar von einer Unterstützung der Ukraine, von Hilfe an die Ukraine. Sie sprechen von der Erneuerung der Verbindung zwischen den USA und Europa. [...] Deswegen gibt es die Hoffnung, dass es zu einem Machtgleichgewicht kommt und dass wir mehr Unterstützung bekommen."
Auf die "provokative" Frage, wie "der staatskritische Satiriker Selenskij von vor 15 Jahren" es aktuell kommentieren würde, dass der Präsident seines Landes nicht gewählt werden kann, da "gerade wegen des Kriegsrechts keine Wahlen stattfinden können", lautete die ausweichende Erklärung, dass "die Menschen die Herausforderungen verstehen, dass die Sicherheit den ersten Platz hat, am ersten Platz steht, dass es sehr schwierig ist, Wahlen durchzuführen". Weiter gab Selenskij zu Protokoll:
"Es geht ja nicht um die Wahl eines Menschen, einer Person, es ist kein Fest für eine Person. Nein, es geht um Wahlen von Menschen, es ist der Tag der Menschen, die wählen und nicht ein Fest der Person, die gewählt wird."
Zu der konfrontativen Frage nach den Ergebnissen einer Umfrage aus dem September 2026 vom "Kiev International Institute of Sociology", laut der, so Böhmermann ablesend, die Menschen in der Ukraine "vor allem beunruhigt sind über das Thema Korruption", lautete die erste Antwort: "Ich habe diese Umfrage nicht gesehen", und weiter:
"Wenn es Fälle von Korruption gibt, so dürfen wir uns nicht ausruhen, wir müssen bestimmte staatliche Behörden säubern. Ich glaube, das ist ganz normal, ich unterstütze das, wir machen alles, was die Reformen bei der Korruptionsbekämpfung angeht, was die Reformen angeht von unseren Behörden, unseren Institutionen [...]"
Der Anführer des Kiewer Regimes führt zu diesem Punkt für die Zuschauer weiter aus, dass seiner Wahrnehmung nach "die Politik jetzt beschließt, dass wir jetzt Wahlen durchführen sollen, das wollen die Amerikaner, das wollen die Russen". Die weitere Erläuterung lautet:
"Lasst uns das machen, dann wird in Vergessenheit geraten, dass sich neun Millionen [Ukrainer] im Ausland befinden, mehrere Millionen in den vorübergehend besetzten Gebieten und die Streitkräfte an der Front sind. Sie sind auch gegen die Wahlen, weil sie keine Möglichkeit haben, abzustimmen. Ist das denn gerecht? Millionen von Menschen sind in Schützengräben und das kann man technisch nicht organisieren."
Wahlen wären erst dann möglich, "wenn der Krieg vorbei ist". Während eines Krieges "ist ein Soldat der wichtigste Beruf", so Selenskij, "weil die Soldaten ihr Leben aufs Spiel setzen". Nun die Wahlen stattfinden zu lassen, "bei denen Soldaten nicht abstimmen können, das ist unfair, das ist hundertprozentig unfair".
Zur Frage Böhmermanns, ob es für einen ukrainischen Präsidenten "nicht merkwürdig ist, sich ein starkes Deutschland zu wünschen, gerade mit Blick auf unsere gemeinsame Geschichte und auf das, was Deutschland früher bei Ihnen angerichtet hat", lauteten die Darlegungen:
"Nein, heute ist ein starker Staat nicht der Staat, der politisch angreift oder offensiv vorgeht. Ein starker Staat ist ein unabhängiger Staat. Und das ist ein großer Unterschied. Es geht um Sicherheitsgarantien dieses Staates für das eigene Volk."
Deutschland sei laut Wahrnehmung Selenskijs wörtlich in den letzten Jahren "stark geworden nach diesen Ereignissen, die tragisch sind für die ganze Welt". Er sei dem politischen Berlin "sehr dankbar [...], denn unabhängig von der Innenpolitik in Deutschland, unabhängig von den internen Herausforderungen, wurden immer die Möglichkeiten, die Zeit und das Geld gefunden, um die Ukraine zu unterstützen und ihnen Schutz zu bieten".
Für Kiew sei die Unterstützung daher weiterhin sehr wichtig sowie "die Signale, die heute aus Deutschland kommen".
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