
Waldbrände in Südeuropa wüten weiter – Evakuierung von 325.000 Menschen in Frankreich und Spanien
Aufgrund der seit rund fünf Tagen andauernden verheerenden Waldbrände sind an der südfranzösischen Atlantikküste und in Spanien rund um die Hauptstadt Madrid inzwischen mehr als 300.000 Menschen auf der Flucht, oder sie wurden als vorsorgliche Sicherungsmaßnahme evakuiert. Das Flammen-Inferno in Frankreich hat laut Behördenangaben bereits mehr als 42.000 Hektar Land verwüstet, was mehr als dem Vierfachen der Fläche von Paris entspricht. Die Chefin des spanischen Katastrophenschutzes wird mit den Worten zitiert, dass das "Feuer-Monster" mit seinen Bränden aktuell eine Fläche von 77.000 Hektar verwüstet hat.
Mehr als 2.500 Feuerwehrleute, 1.500 Soldaten und 1.700 Sicherheitskräfte kämpfen seit Tagen im Südwesten Frankreichs gegen die wütenden Waldbrände. Zusätzlich kommen Löschflugzeuge und Hubschrauber zum Einsatz. Landwirte unterstützen die Einsatzkräfte mit Wasseranhängern und Verpflegung. In den angrenzenden Gebieten rund um die spanische Hauptstadt Madrid sind mittlerweile mehrere Feuer laut Behördenangaben außer Kontrolle geraten.

Die Situation in Frankreich
In der betroffenen Region mussten bereits am späten Samstag weitere 55.000 Menschen zur Evakuierung aufgefordert werden, womit sich die Gesamtzahl in der Gironde im Südwesten des Landes, "auf etwa 250.000 Menschen belief", berichteten französische Medien. Ein hauptverantwortlicher Feuerwehrhauptmann erklärte gegenüber der Agence France-Presse, dass das Feuer "seine eigenen Winde, sogar Wirbel, erzeugt habe", was für die eingesetzten Kräfte die Lage "unberechenbar und unkontrollierbar" mache.
Laut Erklärung von Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez sind die Flammen am Sonntag bis auf 15 Kilometer an die Großstadt Bordeaux vorgerückt. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat einem Sprecher des Élysée-Palasts zufolge für den Montagvormittag ein erneutes Krisentreffen mit den zuständigen Ministern anberaumt.
Zuvor am Sonntag hatte der Bürgermeister von Bordeaux eine Evakuierung der 268.000-Einwohner-Stadt noch ausgeschlossen. Die Stadt richtete jedoch bereits eine Notunterkunft für Evakuierte in einer größeren Ausstellungshalle ein. Bürgermeister Thomas Cazenave erklärte nach Angaben der Regionalzeitung L'Indépendant, die Einwohnerinnen und Einwohner von Bordeaux "bereiten sich nicht auf eine Evakuierung vor". Zugleich betonte er, dass die Stadt jedoch bereits darauf vorbereitet sei, "auf jede mögliche Entwicklung zu reagieren".
Die Präfektur Gironde hat am Wochenende mehrere Freizeitangebote in der Region vorübergehend untersagt. Betroffen sind Ferienlager, mehrtägige Freizeitcamps für Kinder und Jugendliche sowie Pfadfinderlager mit Übernachtungen.
Die Situation in Spanien
In Spanien, wo ebenfalls seit Tagen ausufernde Brände wüten, gab das Innenministerium neue Evakuierungsaufrufe für die Provinz Toledo südwestlich von Madrid heraus. Nordöstlich der Hauptstadt in der Provinz Guadalajara kämpfen parallel Feuerwehrkräfte und Militär gegen das dortige Feuer. Am Sonntag erfolgte dann ein Evakuierungsaufruf für rund 15.000 Bewohner in der Region, wegen eines neuen Waldbrands in der Nähe von Valencia.
Besonders betroffen sind laut Behörden- und Regierungsangaben zu Wochenbeginn weiterhin die Regionen Madrid, Kastilien-La Mancha, Ávila und Toledo. In einigen Brandgebieten konnten die Einsatzkräfte die Ausbreitung zumindest verlangsamen, andere Feuer würden jedoch weiterhin die Situation belasten, ohne dass es einen Erfolg bei der Bekämpfung gibt.
Die spanische Regierung hatte am Sonntag erstmals wegen der Waldbrände den nationalen Notstand ausgerufen. Dadurch können zusätzliche Mittel und Einsatzkräfte mobilisiert werden. Hohe Temperaturen, extreme Trockenheit und zeitweise kräftiger Wind würden neue Brandausbrüche begünstigen und damit die Eindämmung bestehender Feuer extrem erschweren.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez erklärte am Sonntag, dass dem Land in den kommenden Tagen noch "schwierige Stunden" bevorstünden. Laut Behördenangaben sind seit Jahresbeginn in Spanien bereits mehr als 125.000 Hektar Wald- und Vegetationsfläche verbrannt.
Deutsche Nachrichtenagenturen zitieren hinsichtlich der Ereignisse in Südeuropa SPD-Bundesumweltminister Carsten Schneider mit den Worten:
"Der Klimawandel ist bereits schmerzhafte Realität und er trifft unseren Kontinent besonders stark. Zugleich muss es jetzt darum gehen, den gefährlichen Klimawandel zu stoppen, damit Hitze, Dürre und Waldbrände in Zukunft nicht noch schlimmer werden."
Daher dürfe nun "der Ausbau der erneuerbaren Energien und anderer Klima-Lösungen jetzt nicht gebremst werden, sondern muss volle Vorfahrt bekommen".
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