Von Hans-Ueli Läppli
Weniger ist mehr. Dieser alte Satz gilt eigentlich für fast alles im Leben. Für einen Politiker gilt er vielleicht noch etwas mehr. Vor allem dann, wenn dieser Politiker gerade versucht, einer verunsicherten Nation zu erklären, dass er ihre Realität verstanden hat.
Philipp Amthor hatte in der neuen ZDF-Doku allerdings einen anderen Plan.
Dort wurde nicht einfach ein junger CDU-Politiker bei der Arbeit gezeigt. Amthor bekam seine Bühne. Kanzleramt, große Flure, repräsentative Räume, Büro, Terrasse, Strandkorb. Dazu der perfekt sitzende Anzug, Krawatte, Einstecktuch, Brille und das gesamte Paket eines Mannes, der ziemlich genau weiß, wie man eine Kamera bedient.
Man hatte beim Zuschauen fast das Gefühl, Amthor habe auf diesen Moment gewartet. Die Kamera läuft. Licht sitzt. Anzug sitzt. Einstecktuch sitzt. Und dann:
Strike a pose!
Madonna hätte in der Vogue ihre Freude gehabt.
Nur ist Amthor kein Popstar. Er ist Staatsminister im Kanzleramt. Und genau deshalb wirkt die Inszenierung etwas merkwürdig. Denn während Amthor durch die politischen Kulissen flaniert, kämpft ein erheblicher Teil der Bevölkerung mit ganz anderen Problemen.
Die CDU versucht, nach schweren Wahlniederlagen gerade wieder zu erklären, warum sie den Kontakt zur gesellschaftlichen Stimmung nicht verloren hat. Das ZDF stellt in seiner eigenen Doku ausdrücklich die Frage, wie groß inzwischen die Distanz zwischen Bundespolitik und gesellschaftlicher Stimmung ist. Und dann kommt Amthor.
Während des Shootings wechselt er gleich dreimal den Anzug. Dazu kommen verschiedene Schuhe und Krawatten. Aus einem politischen Fototermin wird fast eine kleine Modenschau: Maßanzug, Einstecktuch, glänzende Schuhe, Kanzleramt, Designer-Sitzmöbel, Strandkorb. Man wartet eigentlich nur noch auf den Champagner.
Das Problem ist nicht, dass ein Politiker einen guten Anzug trägt. Auch ein CDU-Staatsminister darf sich ordentlich anziehen. Das Problem ist die Kombination aus politischer Botschaft und visueller Selbstinszenierung.
Wer den Eindruck vermitteln möchte, er verstehe die Sorgen der normalen Leute, sollte vielleicht nicht gerade aussehen, als sei er auf dem Weg zu einem privaten Empfang im Kanzleramt.
Weniger ist mehr. Das gilt auch für Schuhe, Einstecktücher und Krawatten und ganz sicher für das demonstrative Vorführen des eigenen Aufstiegs.
Amthor ist innerhalb weniger Jahre vom auffälligen Jungpolitiker zum Staatsminister im Kanzleramt aufgestiegen. Das ZDF beschreibt ihn inzwischen als Machtpolitiker und Mann im engen Umfeld von Friedrich Merz. Das darf man zeigen. Aber man muss es nicht zelebrieren. Schon gar nicht in einer Zeit, in der die Union selbst versucht, die wachsende Distanz zwischen politischer Elite und Teilen der Bevölkerung zu erklären.
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