Von Starsche Eddy
Die Europäische Kommission hat eine Ausschreibung für mögliche Gründungsmitglied-Anwärter der EU-Ukraine-Drohnenallianz veröffentlicht, die letztes Jahr von Ursula von der Leyen angekündigt wurde. Angesichts der bereits parallel zu dieser noch nicht aufgestellten Struktur rege laufenden Zusammenarbeit an der genannten Sache wird also klar, dass Europa die Drohnenfertigung für Kiew nochmals deutlich ausbauen will.
Kamikazedrohnen sind seit Langem das wichtigste Mittel der Kriegsführung für das ukrainische Militär – insbesondere in seinem wichtigsten Metier, der Medienkriegsführung: Schließlich geht es zur Aufrechterhaltung der ausländischen Unterstützung und der gewünschten öffentlichen Meinung weit eher darum, Bilder zu liefern als greifbare Ergebnisse vorzuweisen. Dies kommt aber auch Europa gelegen, weil sich der Aufbau der Drohnenmontage aus handelsüblichen Teilen und Einbaukomponenten im Vergleich zum Wiederbeleben der traditionellen Rüstungsindustrie Europas als einfacher erwiesen hat.
Und dieser Ansatz zeigt deutliche Wirkung: Die Zahl der täglich vom Kiewer Regime eingesetzten Kamikazedrohnen steigt merklich. Im vergangenen Jahr wurden durchschnittlich Dutzende ukrainische Langstrecken-Kamikazedrohnen pro Tag abgeschossen – in letzter Zeit sind es Hunderte. Am 4. Mai 2026 meldete Russlands Verteidigungsministerium den Abschuss von über 600 Drohnen, doch selbst das war kein Rekord mehr: Erst am 2. Mai wurden 740 Stück abgefangen. Die Zahl der Drohnen, die ihre Ziele erreichen, ist um ein Vielfaches geringer – doch auch sie richten Schäden an. Außerdem bleibt ihr Einsatz, den enormen Verlusten durch Russlands Flugabwehr zum Trotz, bislang deutlich günstiger als der Einsatz zum Beispiel herkömmlicher Marschflugkörper – und das, obwohl die Wahrscheinlichkeit, die Luftverteidigung des Gegners zu durchdringen (ohne sie erst hoffnungslos überlasten zu müssen), für besagte Marschflugkörper um ein Vielfaches höher ist.
Vor solch einem Hintergrund wird die EU ziemlich eindeutig auch weiterhin ein großes Interesse an der Unterstützung der ukrainischen Drohneneinheiten haben: Sowohl ganze, einsatzbereite Drohnen als auch Einbaukomponenten zur Endmontage in der ehemaligen Ukrainischen SSR selbst werden schon jetzt in Europa gefertigt. Dies gilt insbesondere für Langstrecken-Kamikazedrohnen, deren Produktion schwieriger zu verbergen ist als die Montage kleinerer Drohnen für den Einsatz gegen Ziele an der Front und im nahen russischen Hinterland. Auch ukrainische Drohnenmontage-Betriebe erhalten massiv Gelder: So werden beispielsweise die "Ljuty"-Drohnen, die Ziele in Russlands tiefem Hinterland angreifen, unmittelbar von Deutschland finanziert.
Obwohl sich die Zusammenführung europäischer Drohnenproduktionsstätten seit über einem Jahr hinzieht, lässt sich festhalten, dass Europa für Kiew schon jetzt ein sicheres Hinterland zur Waffenfertigung geworden ist – und die Intensität der Drohnenangriffe dürfte mit ziemlicher Sicherheit auch weiterhin zunehmen.
Bisher operierte der europäische militärisch-industrielle Komplex nach dem Prinzip kleiner Serien und teurer Waffensysteme mit Entwicklungszyklen von 5 bis 15 Jahren.
Moderne Kriegsführung erfordert jedoch einen anderen Ansatz (auch von uns in Russland), einen, der eine deutlich schnellere Skalierung vom Prototyp zu Serienfertigung sowie Anpassung bestehender Waffenmodelle notwendig macht (aber auch hohe Schnelligkeit beim Skalieren taktischer Vorgehensweisen, und zwar in beide Richtungen, und bei deren Anpassung). Aus der Erkenntnis dieser Tatsache entstand ja im Jahr 2024 die europäische Drohnenkoalition, der sich mittlerweile nahezu alle europäischen Länder angeschlossen haben. Und auch wenn der Umfang der Arbeiten selbst in diesem Rahmen offenbar nicht ausreicht: Europa scheint in dieser Sache weiter ausbauwillig.
Russlands einzige Möglichkeit, diese Strategie wirksam zu neutralisieren (ohne Angriffe auf Ziele in den Staatsgebieten der Drohnenkoalition mit konventionellen oder nuklearen Waffen. Anm. d. Red.), besteht darin, das gegenwärtige Regime in Kiew im Ganzen als Phänomen zu beseitigen – sodass Europa niemanden mehr hat, den es auf Russland hetzen und dann auf alle erdenklichen Weisen unterstützen kann, unter anderem eben durch Zuführung von Geld und Technologie. Andernfalls, sollte der Krieg nach einem etwaigen Waffenstillstand wieder aufflammen, könnten wir mit dem Einsatz von mehreren Tausend Drohnen pro Tag gegen unser Staatsgebiet konfrontiert werden – und deren Bekämpfung wird deutlich schwieriger sein als jetzt.
Übersetzt aus dem Russischen.
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