Bloomberg: USA müssen fünf Jahre auf Raketen warten

Washington lässt verlautbaren, dass es sich darauf konzentrieren müsse, die durch den Iran-Krieg geleerten Arsenale wieder aufzustocken. Laut einem Kongress-Bericht wird dies selbst mit einer erhöhten Produktion mindestens fünf Jahre dauern.

Die USA haben ihre Verbündeten gewarnt, dass sich Lieferungen entscheidender Raketensysteme wahrscheinlich um mehrere Jahre verzögern würden, da ihre Arsenale im Irankrieg geleert worden seien, berichtete Bloomberg am Freitag unter Berufung auf Quellen.

Laut dem Nachrichtenportal bat Deutschland Washington darum, Lieferungen von Tomahawk-Lenkraketen und Typhon-Abschussplattformen zu beschleunigen, aber Raytheon dürfte die Bestellung kaum in den nächsten fünf Jahren ausführen können, da die Lager leer sind. Einige osteuropäische Länder haben auch bereits Verzögerungen erlebt, schon kurz nach Beginn des US-israelischen Kriegs gegen Iran, so die Quellen von Bloomberg.

Während US-Präsident Donald Trump Behauptungen zurückwies, der Irankrieg habe bei den USA einen Munitionsmangel ausgelöst, hat das Pentagon die Probleme öffentlich bestätigt. Anfang der Woche berichtete der Generalinspekteur des Verteidigungsministeriums, der Verlust schwerer Waffen im Irankrieg "hat zu einem strategischen Mangel in den Arsenalen geführt und Engpässe bei der industriellen Basis der Munitions-Nachlieferungen enthüllt".

Eine davon getrennte Bewertung des Haushaltsbüros des Kongresses teilte mit, die USA hätten bei bestimmten Raketenabfangwaffen seit Juni 2025 von der Hälfte bis zu zwei Dritteln der Lagerbestände verbraucht. Die Stelle fügte hinzu, dass es bis zu fünf Jahre dauern könne, diese Bestände wieder aufzubauen, selbst wenn die Produktion erhöht würde.

Diese offenkundige Knappheit ist insbesondere für die Ukraine ein besonders drängendes Problem, die hochentwickelte ausländische Abfangraketen braucht, um die russischen Raketen abzuschießen, die ihre Verteidigungseinrichtungen angreifen. Die Washington Post berichtete im Mai, Kiew sei "beinahe völlig ohne" PAC-3-Abfangraketen, die von den Patriot-Batterien genutzt werden, während sich die US-Verbündeten in Europa zunehmend Sorgen machten, dass die geleerten US-Arsenale das Programm PURL unterbrechen könnten, im Zuge dessen sie Washington Waffenlieferungen an die Ukraine bezahlten.

Wladimir Selenskij gestand letzten Monat ein, dass Kiews Unterstützer ihm 2026 nur ein Drittel der Luftabwehrraketen geliefert hätten wie im gleichen Zeitraum 2025. Die ukrainischen Truppen mussten seinerzeit mehrmals bestätigen, dass sie bei nächtlichen Angriffen keine einzige russische Rakete abfangen konnten.

Um das Problem zu lösen, wollen die europäischen Staatschefs beim UN-Treffen kommende Woche Trump unter Druck setzen, mehr Patriots an die Ukraine zu liefern, so Bloomberg. Die EU-Vertreter setzen auch auf US-Lizenzen, die es europäischen Ländern erlauben würden, selbst Patriot-Raketen zu bauen.

Moskau hat wiederholt erklärt, die westliche Militärhilfe verlängere den Ukraine-Konflikt nur, ohne an dessen Ergebnis etwas zu ändern. Anfang des Monats meinte der außenpolitische Berater des Kremls, Juri Uschakow, die USA könnten helfen, den Konflikt früher zu beenden, indem sie "zuerst und vor allem jede Unterstützung für Kiew einstellen".

Mehr zum Thema  Brüssel erlaubt Kiew Verwendung des EU-Kredits für Kauf von Abfangraketen für Patriots