Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde bereits im August dieses Jahres mit dem undotierten Elisabethpreis des Caritasverbands für die Diözese Augsburg ausgezeichnet. Am gestrigen Abend nahm sie den Preis "im goldenen Saal" des Rathauses der Stadt persönlich entgegen. Die laut dem Ex-Chefredakteur von WeltN24, Ulf Poschardt, "bitterböse, spaltende Staatskomikerin" Sarah Bosetti durfte die Laudatio halten.
Der langjährige politische und persönliche Einsatz für "Solidarität, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt" war demnach der ausschlaggebende Grund für den Bayerischen Caritasverband der Diözese Augsburg, um die Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel in diesem Jahr mit dem Elisabethpreis zu ehren.
Eva Welskop-Deffaa, die Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, sagte im Rathaussaal über die CDU-Politikerin:
"Angela Merkel hat als Physikerin, als Frau mit Ost-Biografie und als Christin das Amt der Bundeskanzlerin über 16 Jahre lang mit herausragender Verantwortungsbereitschaft ausgeführt. Rationalität, Liebe zu Freiheit und Gerechtigkeit und Nähe zu den Menschen waren für sie keine Gegensätze, sondern prägten gemeinsam ihre Amtsführung. Wir ehren Merkel für ihren inneren Kompass, mit dem sie die Geschicke des Landes glücklich lenkte."
Diakon Markus Müller, Direktor des Caritasverbands für die Diözese Augsburg, würdigte Merkel im Anschluss einer rund zweistündigen Veranstaltung mit der Einschätzung:
"Elisabeth steht für die entschiedene Hinwendung zu Menschen in Not und für gelebte Verantwortung. Unser Augsburger Elisabethpreis ehrt keine Ämter, sondern Haltung. Er zeichnet Menschen aus, die Verantwortung übernehmen, wenn andere wegschauen."
Anschließend durfte die insbesondere seit den "Corona-Jahren" umstrittene ÖRR-Mitarbeiterin Sarah Bosetti die Laudatio halten. Gleich am Beginn ihrer Laudatio stellte sie klar, dass "ich außerstande bin, nette Dinge über Menschen zu sagen". Sie verwies in ihrer Rede darauf, dass Merkel den Preis vor allem für einen Satz bekomme, "für den sie am meisten gehasst wird". Weiter sagte sie:
"Frau Merkel bekommt diesen Preis also für das, wofür sie am meisten gehasst wird. Es gibt eigentlich nur zwei Dinge, die die Menschen Angela Merkel wirklich übel genommen haben. Die Worte 'Wir schaffen das' und dass sie einmal ein Kleid mit einem tiefen Ausschnitt getragen hat. Letzteres war vielen wirklich sehr unangenehm, denn dadurch wurden sie daran erinnert, dass Frau Merkel kein Mann ist – ein Umstand, den sie zuvor mit aller Kraft zu verdrängen versucht hatten."
Merkel habe die berüchtigten drei Worte im Jahr 2015 "im Angesicht einer humanitären Katastrophe" geäußert, um "einen Anflug Menschlichkeit zeigen zu wollen". Bosetti setzte die Laudatio mit ihren gefürchteten Schachtelsätzen und nebulösen Formulierungen fort, um weiter darzulegen:
"Wir alle sind Menschen. Wir brauchen Luft, Wasser und Liebe. Wir leiden, wenn andere leiden, außer wir machen die Augen zu. Wir alle wollen sein dürfen, am liebsten in Freiheit und in Frieden. Und bei uns allen sammelt sich, wenn wir zu lange auf einer Seite liegen, der Rotz in einem Nasenloch. Die Unterschiede beginnen erst irgendwo dahinter. Die Unterschiede beginnen im Umgang damit. Die einen versuchen krampfhaft, das verstopfte Nasenloch freizupusten, die anderen legen sich genau so lange auf die andere Seite, bis beide Nasenlöcher gleich voll sind."
Angela Merkel sei eine Frau, die "ihr Ego weit hinter ihren Job stellt", so Bosetti weiter. Frei von Ironie mahnte die "Satirikerin", dass die Gesellschaft gerade jetzt in einer Zeit lebe, "in der gesellschaftliche Gruppen so erfolgreich gegeneinander ausgespielt werden, dass Menschen lieber Menschenfeinde wählen, als das Anderssein der Anderen zu ertragen". Angela Merkel applaudierte der Laudatorin für diese Wahrnehmung.
Die Anwesenden reagierten dann auf folgenden Inhalt mit spontanem Beifall und Lachern im Saal:
"Und Angela Merkel hat uns alle viele, viele Jahre unsere Unterschiede aushalten lassen. Ich würde fast sagen, dass das ihr größter Verdienst war. Allerdings verblasst er beinahe vor einer noch viel größeren Leistung, denn sie hat uns alle auch viele, viele Jahre vor Friedrich März bewahrt."
Bosetti schlug Merkel daher "als Spitzenkandidatin für die nächste Bundestagswahl vor". Die Adressierte sorgte später "für Lacher, als sie mit Humor und Schlagfertigkeit auf die Laudatio der Kabarettistin reagierte", wie die Welt schrieb.
Merkel erklärte in ihrer Dankesrede, dass "auch Satiriker nicht immer die Kraft haben, Wünsche zur Realität zu bringen". Abschließend versicherte sie dem Publikum im goldenen Rathaussaal zu Augsburg:
"Denn eine Kandidatur – das muss man hier sagen heutzutage, wo so viel Fake News verbreitet werden – eine weitere Kandidatur schließt sich aus."
Mit Blick auf die heilige Elisabeth erklärte Merkel: "Schön, dass wir beide Frauen sind."
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