Export steigt, Produktion sinkt – Wirtschaft weiter in schwierigem Fahrwasser

Während sich die Medien vor allem auf die Nachricht von den steigenden Exporten stürzen und schon Licht am deutschen Wirtschaftshorizont sehen, findet eine andere Meldung kaum Beachtung. Die Produktion sinkt. Die Gleichung, steigender Export bedeutet, der Wirtschaft geht es gut, stimmt nicht mehr.

Das Statistische Bundesamt veröffentlichte am Freitag zwei Pressemitteilungen, die sich zumindest auf den ersten Blick widersprechen. Die Statistiker meldeten einen deutlichen Anstieg des Exports. Der Export ist im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 Prozent gestiegen. Deutschland führte Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro aus. Gegenüber den wichtigsten Exportländern außerhalb der EU gehen die Ausfuhren allerdings zurück. Sowohl in die USA als auch nach China exportiert Deutschland inzwischen weniger. Im Juni sank der Export in die USA im Vergleich zum Mai um satte 14,2 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr immerhin noch um 1,2 Prozent. Trumps Zollpolitik zeigt Wirkung. Daraus folgt auch, dass die neue deutsche Exportstärke vor allem für die EU und die Euro-Länder erneut zur Belastung wird. 

Konterkariert wird die "Erfolgsmeldung" vom steigenden Export von einer zweiten Meldung der Statistiker in Wiesbaden. Sie meldeten einen weiteren Rückgang der Produktion. Während die Exporte um 6,6 Prozent auf Jahressicht zulegten, sank die Produktion um 0,1 Prozent. Positive Impulse kamen vor allem aus der Rüstungsindustrie. Die Produktion im Maschinenbau, einer deutschen Kernbranche, ging dagegen im Juni um 3,9 Prozent zurück. Positive Signale sendete noch die Automobilindustrie. 

In den großen deutschen Medien wurde die Nachricht vom Anstieg des Exports akzentuiert. Er signalisiere eine mögliche Trendwende, wird behauptet. Der seit einem Jahrzehnt anhaltende Abwärtstrend bei der Produktion findet dagegen keine Erwähnung. 

Der Exportanstieg ist dabei vor allem der Produktionsverlagerung ins Ausland geschuldet. Güter "made in Germany" werden zunehmend im Ausland produziert, da sie sich dort kostengünstiger herstellen lassen. Lediglich Endmontage und Vertrieb finden noch in Deutschland statt. Dadurch ist es möglich, dass die Industrieproduktion sinkt, der Export aber dennoch steigt. Auswirkungen auf den heimischen Arbeitsmarkt hat dieser Exportanstieg nicht. 

Klar ist, der deutsche Export hat sich von der Binnenproduktion entkoppelt. Die Gleichung steigender Export bedeutet, dass es der deutschen Industrie gut geht, stimmt nicht mehr. Darüber gibt die Statistik über die Produktion Auskunft. Und diese besagt, dass es der deutschen Industrie nicht gut geht. Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Prozess der Deindustrialisierung. 

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