Kirche in Braunschweig in der Kritik: Presse prangert Einladung von "Kremlfreunden" an

Die Mainstream-Presse missbilligt die Einladungspraxis der evangelischen Kirche in Braunschweig. Zu häufig würden russlandfreundliche Positionen das Wort erhalten. Jetzt kam heraus: Eine geplante Veranstaltung mit dem russischen Botschafter musste wieder abgesagt werden.

Die Evangelische Akademie im niedersächsischen Braunschweig steht im Kreuzfeuer der Kritik: Ende April hatte die FAZ berichtet, nun legte die Braunschweiger Zeitung nach: Die dortigen Kirchentüren würden sogenannten "Kremlfreunden" weit offen stehen.

Genannt waren Persönlichkeiten wie Sevim Dağdelen, Sahra Wagenknecht, Gabriele Krone-Schmalz, Daniela Dahn, Petra Erler, Günter Verheugen, General a.D. Harald Kujat und Brigadegeneral a. D. Erich Vad. Insgesamt eine "lange Liste mit Auftritten von Putin-Verstehern" seit dem Jahr 2022, die FAZ-Autor Reinhard Bingener da aufzählt.

Ursächlich für das "Moskau-freundliche Veranstaltungsprogramm" der evangelischen Christen in Braunschweig, seien personelle Überschneidungen zwischen Kirche, der Evangelischen Akademie und der Friedensbewegung vor Ort, erläutert Bingener weiter. Die Landeskirche setze der Referentenauswahl der Akademie keine Grenzen.

Lediglich die Einladung des Nahost-Experten und BSW-Politikers Michael Lüders sei der Kirchenleitung letztlich zu weit gegangen: Nach Antisemitismus-Vorwürfen jüdischer Verbände in Niedersachsen hätte die Landeskirche unter dem Vorwand von Sicherheitsbedenken den Vortrag abgesagt.

Die für westdeutsche Verhältnisse ungewöhnlich aufgeschlossene Haltung in Braunschweig, was die Gesprächsbereitschaft mit Russland betrifft sowie mit Personen des öffentlichen Lebens, die den BRD-Kriegskurs kritisieren, bestätigt auch der Bericht der Braunschweiger Zeitung. Vertreter des Vereins "Freie Ukraine Braunschweig" beschweren sich demzufolge über fehlende Einladungen und ein Übermaß an prorussischen Ansichten bei den eingeladenen Gästen der evangelischen Kirche.

Verantwortlich für das Programm der Evangelischen Akademie ist der zwanzig Personen umfassende Konvent. Durch die mediale Berichterstattung kam nun ans Licht, dass sogar eine Veranstaltung mit dem Botschafter der Russischen Föderation, Sergei Netschajew, geplant gewesen war. Federführend bei der Einladung war Konventsmitglied Uwe Meier. Er deutete an, dass nach der Einladung Druck ausgeübt worden sei:

"Er hatte schon zugesagt, aber ich habe ihn dann wieder ausgeladen", erklärte Meier bezüglich des geplanten Auftritts von Botschafter Netschajew. Den russischen Diplomaten einzuladen, habe nicht in die politische Landschaft und die Akademie gepasst. Die Grenzen seien ganz eng gesteckt: "Russische Stimmen kommen hier gar nicht zu Wort. Das ist schlimm."

Auch wenn er den russischen Angriff im Jahr 2022 als völkerrechtswidrig bewerte, müsse eine demokratische Gesellschaft auch die russische Sichtweise zu Wort kommen lassen. Die offene Diskussion, etwa über russische Friedensangebote, widerstrebe aber den Wünschen der Bundesregierung und werde von den Medien verhindert.

Es hat den Anschein, als seien die Zeiten einer vergleichsweise toleranten Einladungspraxis in der Braunschweiger evangelischen Kirche vorbei. Eine sorgfältigere Prüfung des Akademie-Programms vor dem Erscheinen deutet sich an. Pfarrerin Kerstin Vogt, die Leiterin der Akademie, will den Konvent künftig stärker einbinden. Bezüglich der vergangenen Veranstaltungen räumt sie eine Schlagseite ein.

Und auch Christina-Maria Bammel, die seit Mai amtierende Landesbischöfin der Braunschweigischen Landeskirche, meint: "Wo Veranstaltungen grenzwertig sind, etwa wenn der entsetzliche, völkerrechtswidrige Angriff Putins geleugnet wird, braucht es unser Nein." In Zeiten von Desinformation gelte es, Regeln und Grundsätze der Gesprächskultur einzuhalten.

Der ebenfalls im FAZ-Artikel erwähnte Braunschweig-Spiegel befürchtet demnach wohl zu Recht: "Da werden demnächst wohl die Zügel angezogen, um eine stärker an den Mainstream der Meinungen angepasste Veranstaltungsreihe zu gestalten."

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